GABC-Übung bei der Landessammelstelle Ebsdorfergrund-Roßberg

21. Juli 2016

 

Die Einsatzkräfte der Feuerwehren haben bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben nahezu immer die Möglichkeit die entstehenden Gefahren optisch, olfaktorisch (Geruch) oder thermorezeptorisch (Hitze) wahrzunehmen. Beim Einsatz im Strahlenschutz fallen diese organoleptischen Wahrnehmungen aus. Die Gefahr der radioaktiven Strahlung ist ausschließlich durch Messgeräte erkennbar. Umso größer ist die Herausforderung und diffiziler der Einsatzablauf.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie betreibt in der Gemeinde Ebsdorfergrund ein Lager für schwach radioaktive Abfälle, überwiegend aus Forschung, Industrie sowie aus dem medizinischen Bereich. Der GABC-Zug des Landkreises Marburg-Biedenkopf ist, aufgrund der räumlichen Nähe, bei der Feuerwehr Ebsdorfergrund im Ortsteil Dreihausen stationiert. Durch fortlaufende theoretische Ausbildung und praktischen Übungen sind die Einsatzkräfte des GABC-Zuges für die o.g. Herausforderungen ausgebildet. Regelmäßige Alarmübungen helfen den Einsatzkräften bei der Stärkung ihres Wissens und der Routine im Einsatzablauf. Gleichzeitig sind diese Alarmübungen aber auch notwendig um die Zusammenarbeit mit den Betreibern beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie sowie den Fachberatern beim zuständigen Regierungspräsidium Gießen als Aufsichtsbehörde zu festigen. „Brandmeldereingang Landessammelstelle Ebsdorfergrund“; so das Alarmstichwort bei der aktuellen Alarmübung. Das angenommene Szenario: Bei radiologischen Messungen eines Bediensteten der Landessammelstelle war durch eine Explosion des Gabelstaplers ein Feuer entstanden. Der Bedienstete der Landessammelstelle, hat das Gebäude daraufhin fluchtartig verlassen. Die Feuerwehren Ebsdorfergrund-Roßberg und Ebsdorfergrund-Wermertshausen waren als erste Wehren alarmiert. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle haben beide Fahrzeuge aufgrund des besonderen Einsatzobjektes zunächst ausserhalb des Betriebsgeländes die weiträumige Absperrung vorgenommen. Die später, alarmierte Feuerwehr Dreihausen traf nur kurze Zeit später an der Einsatzstelle ein. 

 

 

Mit Feuerschutzkleidung und schwerem Atemschutz (PA) in Kombination mit einer Kontaminations-schutzhaube für den Kopfbereich und ausgestattet mit Filmdosimeter, Dosisleistungsmessgerät sowie einem Personendosimeter als Warngerät konnte der Angriffstrupp zusammen mit einem ebenfalls ausgerüsteten Mitarbeiter als sachkundige Person das Gebäude betreten und das Feuer löschen. Währenddessen erfolgte zum einen der Aufbau des Kontaminationsnachweisplatzes, um den Mitarbeiter sowie die Einsatzkräfte auf Kontamination zu überprüfen und gegebenenfalls Dekontaminations-maßnahmen einzuleiten. Bei der Kontaminations-kontrolle am Bediensteten zeigten sich geringfügige Kontaminationen an dessen Kleidung, welche bei der Explosion durch Freisetzen einer geringen Menge einer radioaktiven Substanz entstanden war. Daraufhin wurde die Kleidung kontaminationsfrei verpackt. Zum anderen wurde der sogenannte Gefahrenbereich durch den Sicherheitstrupp markiert und regelmäßig auf Änderung der Dosisleistung durch radioaktive Strahlung überprüft.

Nach wirksamer Brandbekämpfung erfolgte die weitere Erkundung durch den Angriffstrupp. Dieser konnte eine erhöhte Dosisleistung in der Nähe eines durch die Explosion beschädigten Lagerfasses feststellen. Die Messwerte sowie die Angaben auf dem Fass zum Inhalt wurden via Funk dem Einsatzleiter übermittelt. In Zusammenarbeit mit einer Strahlenschutzfachkraft des Regierungspräsidiums Gießen wurde daraufhin das weitere Vorgehen besprochen. Das Fass wurde durch Verschluss mit dem Deckel gesichert und somit der Austritt von radioaktivem Material verhindert. Anschließend trat der Angriffstrupp den Rückweg an und wurde am Kontaminationsnachweisplatz auf Kontamination überprüft. Glücklicherweise konnte keine Kontamination festgestellt werden, so dass die Übung kurz danach beendet wurde.

Sören Waldeck

Gemeindevorstand der

Gemeinde Ebsdorfergrund

Pressesprecher Feuerwehrwesen

 

 

Text: Helmut Löwer (RP Gießen), Dr. Thomas Allinger, Sven Eidam (HLNUG)

Wilfried Eucker, Lars Erik Sattler (GABC-Zug LK MR-BID, Feuerwehr Ebsdorfergrund)